Vereinstour nach Papenburg am 08.05.2015

8. Mai, es war mal wieder soweit! Treffpunkt war morgens um 7°° Uhr im „Hotel am Stern“ zum gemeinsamen Frühstück. Gut gestärkt wurden dann alle auf mehrere private Autos verteilt, denn dieses Mal gab´s keinen Bus. Und so fuhren einundzwanzig Zuckerknöllchen frohen Mutes in Richtung Norden. Das Emsland stand dieses Mal auf dem Programm. Die Fahrt verlief zunächst schleppend, der Kölner Autobahnring ist ja immer zu, aber schon hinter Leverkusen wurde es besser und nach einer kurzen Pause auf einer Autobahnraststätte auf der Höhe von Oberhausen wurde nur noch geflogen. So erreichten wir wie vorgesehen pünktlich unser „Hotel Stubbe“ in Papenburg. Hier wurden wir mit leckeren Suppen verwöhnt und der Durst konnte gestillt werden. Aber wer geglaubt hatte, jetzt wäre große Pause und endlich Ausschlafen, der kennt unsere Schatz- meisterin Ingrid Beyam nicht, die diese Vereinstour organisiert hatte. Jetzt stand erst einmal Punkt eins auf dem Programm an: Wir gehen in die Schule! Oder verständlicher ausgedrückt, in das „Ostfriesische Schulmuseum“ in Folmhusen. Der eine oder andere bekam wieder Muffensausen wie einst zu seinen besten Zeiten. Vor der Schule wurden wir von „unserem“ Lehrer begrüßt und der erklärte uns zunächst, wie man – anständig – Mädchen für sich, Jungs für sich - in Zweier gruppen in die Schule geht. Viele von uns wussten das nicht mehr! So ging´s, ohne dass jemand von uns wagte einen Mucks von sich zu geben,in die Klasse und schließlich auf die Schulbank. Manch einer von uns musste dabei feststellen, dass er in den letzten Jahren doch gewaltig gewachsen ist,denn es wurde dabei verdammt eng. 


Die Schule bestand aus nur zwei Räumen. Kinder der ersten bis zur vierten Klasse wurden früher in dem Raum unterrichtet, in dem wir uns jetzt befanden. In ihm waren mehrere hintereinander stehende Bankreihen. In den vordersten Bankreihen saßen die Kinder des ersten Schuljahres, dahinter die des zweiten, gefolgt vom dritten und schließlich die des vierten Schuljahres. Blieb einer sitzen, so konnte er das wörtlich nehmen. Er wechselte nicht den Platz. Im zweiten Klassenraum waren die Kinder der fünften bis achten Klasse. Auch hier war die Klassenaufteilung die gleiche wie im ersten Raum. Vorne die Jüngsten, hinten die Ältesten. Wiederholte Sitzenbleiber saßen auf einer Sonderbank gleich neben dem Lehrerpult im Wirkungs- bereich des Lehrerstockes. Schläge waren alltäglich. Man stelle sich vor, in dieser kleinen Schule wurden jedes Jahr über einhundert Kinder unterrichtet! Die Armut unter der Bevölkerung war damals unvorstellbar.Davon betroffen waren auch die Kinder. Im Winter ging man mit Holzschuhen zur Schule, sonst meist ohne Schuhe. Geheizt wurde mit Torf, ein Naturprodukt, welches im Emsland häufig vorkommt. Die Schultüte der Erstklässler war im Osten Tradition; hier bekam das Schulkind am ersten Schul- tag Backpflaumen. Die Erstklässler schrieben auf einer Schiefertafel mit einem Schiefergriffel, später – um 1950 - mit einem Milchgriffel. Ein Milchgriffelist vergleichbar mit einem Bleistift. Hier besteht die Mine allerdings aus einem Gemisch von Kreide und Wachs. Der Milchgriffel war beim Schreiben leiser als der Schiefergriffel und verkratzte die Schiefertafel nicht. Die älteren Schulklassen schrieben mit Tinte und Schreibfeder auf Papier. Schon den  Kindern wurde klar gemacht, dass sie für eines da waren: Für den Kaiser, für das Vater-land und den Krieg. 


Die Jungen trugen Matrosenanzüge im Sinne einer Uniform und hatten einen Tornister, im  Aussehen dem des Soldaten ähnlich. Die Mädchen trugen Schürzen und wurden schon früh auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet. Kaisers Geburtstag war zwar kein Feiertag, trotzdem etwas Besonderes und wurde deutschlandweit jedes Jahr mit unterschiedlicher Intensität gefeiert. Geschrieben wurde damals natürlich in deutscher Schrift. Da alle Buchstaben mit einem dünnen Aufwärtsstrich begannen, gefolgt von einem dickeren Abwärtsstrich, verwendete man dazu eine dünne Schreibfeder. Mit ihr waren feine Linien möglich. Drückte man sie aber auf das Papier, spreizte sich die Feder. Der Strich wurde breiter. Dies gelang aber nur einem Rechtshänder. Gegen Linkshänder wurde darum rigoros vorgegangen: 
Man band ihnen den rechten Arm auf den Rücken. Die Sütterlinschrift sollte dieses Manko verbessern, denn die Linien sind hierbei immer gleich stark.  Dennoch duldeten die Lehrer kein Schreiben mit der linken Hand. Anhand einer Darstellung des Alphabetes in Sütterlinschriftneben der Klassentafel bekam jeder von uns die Aufgabe, seinen Vornamen zuschreiben und bei manch einem konnte man sagen: „Der kann ja noch nicht einmal seinen Namen schreiben“. Jetzt wurde gerechnet und die Möglichkeit dran zu kommen war erschreckend hoch. Aber heute waren wir auf Zack! Es wurde schließlich auch gesungen. Zunächst ein altes Volkslied. Unser Vereins vorsitzender Ralph Spandau wechselte spontan zum kölschen Karnevalslied „ Mir losse de Dom in Kölle“. Wir stimmten gerne aus vollem Hals mit ein. Jedoch der Lehrer gab unserem Gesang das Prädikat „Scheußlich“. Er wor keene kölsche Jung und verstund nix! Wir verließen schließlich die Schule und kamen noch an einer Stelle vorbei, an dem die Kinder am letzten Schultag mit Genugtuung ihre Schultafeln in tausend Stücke zerschlugen. Diese Erleichterung konnte man nachempfinden. 


Vom Schulmuseum ging es nun wieder zurück nach Papenburg.Hier konnte man bis zum verabredeten Zeitpunkt eigene Unternehmungen machen. Papenburg ist die nördlichste Stadt des Landkreises Emsland. Im Westen der Stadt verläuft der Dortmund-Ems-Kanal sowie die Ems. Sie ist eine Kanalstadt mit einem sehr schönen Stadtzentrum, welches zum Flanieren, Shoppen einlädt und gastronomisch Schönes zu bieten hat. Hier fühlt man sich einfach wohl! Nach dem Abendessen im Hotel ließ unsere Schatzmeisterin Punkt 2 ihres Programms abarbeiten, den Wissensquiz. Sofort wurden die schlimmsten Befürchtungen laut, aber Ingrid blieb hart, ließ 5 Gruppen a 4 Personen bilden und es geschah das, was zu befürchten war. Hinterher lagen mal wieder die Nerven blank. Zwei Gruppen mussten noch ins Stechen, weil sie punkte mäßig gleichstanden. Ihnen wurde die Frage gestellt: Die tiefste Stelle im Meer ist im Pazifischen Ozean und zwar im Marianengraben. Wie tief ist das Meer hier? Eine Gruppe verlor gegenüber der anderen wegen läppischen 150 m. Als wenn das bei 11.043 m noch von Bedeutung wäre. Außerdem ist für viele von uns ohnehin die tiefste Stelle im Wasser die eigene Badewanne. Auch sonst gab es wieder berechtigte Diskussionen. Aber wir wären keine Zuckerknöllchen, wenn ein guter Schluck Pils die Lage nicht wieder beruhigt hätte. Und so kam die gute Laune wieder zurück und alles endete im humorvollen Schlagabtausch am Tresen. 


Für den nächsten Tag stand ein besonderes Highlight auf dem Programm, die Besichtigung der Meyer-Werft. Die Meyer-Werft ist ganz in der Nähe von Papenburg. Der Name wird mit Recht mit großen Luxus-Passagierschiffen wie der „Aida“ in Verbindung gebracht. Der Geschichte der Werft reicht zurück bis 1795 und wurde ursprünglich als Holzschiffswerft gegründet. Es ist ein Privatunternehmen und befindet sich in sechster Generation der Familie Meyer. Um 1920 gab es in Papenburg etwa 20 Werften. Nur die Meyer-Werft überlebte ins 21. Jahrhundert. -unter anderem, weil das Unternehmen bereits 1872 auf Initiative von Josef L.Meyer mit dem Bau von Stahlrumpfschiffen – was damals von der Konkurrenz belächelt wurde – mit Dampfmaschinen-Antrieb begann. In dieser Werft wurden bis heute schon alle möglichen Schiffe gebaut: Fischdampfer, Lotsenboote,Feuerschiffe, im Krieg U-Boote, später Auto- und Passagierfähren, RoRo-Schiffe,Containerschiffe, Tiertransporter und Gastanker. Seit Mitte der 80er Jahre hat sich das Unternehmen vor allem durch den Bau von Kreuzfahrtschiffen einen Namen gemacht. Die Schiffe werden in zwei überdachten Baudocks gebaut,deren Ausmaße einfach gigantisch sind. Man lasse sich folgende Daten auf der Zunge zergehen: 370m Länge, 101,5 m Breite und 50 m in der Höhe. Die zweite überdachte Baudockhalle wurde im Jahr 2000 gebaut und ist noch größer: 384 m Länge, 125 m Breite und 74 m Höhe. In 2007 und 2008 wurde diese Halle noch verlängert und ist mit 504 m das weltweit größte überdachte Baudock der Welt.Ein Kran in dieser Halle hebt sage und schreibe 800 Tonnen! 


Überall wird auf moderne Technik gesetzt, so in der Fertigungshalle auf Laserschweißtechnik. Jedes Schiff kann individuell nach Kundenwunsch gebaut werden. Ein Höhepunkt für ganz Papenburg ist, der Massen von Zuschauern anlockt, wenn ein neues Kreuzfahrtschiff die Werft verlässt.Hierzu wird die Ems auf eine Höhe gestaut, bis das Schiff in der Halle schwimmt. Die Tore öffnen sich und kleinere Schlepperschiffe ziehen und manövrieren den Koloss dann die Ems aufwärts Richtung Nordsee. Das Schiff würde, sich aus eigener Kraft bewegend, die Uferbefestigung der Ems beschädigen oder sich gar festfahren. Wegen der Größe dieser Schiffe hat man von Land aus betrachtet den Eindruck, es pflüge sich durch den Boden, denn es nimmt die ganze Breite der Ems ein.


Die Schiffe werden schon in der Werft innen komplett ausgestattet bis hin zur Kaffeetasse und auch die gesamte Crew wurde schon in der Werft auf ihre Arbeit auf dem neuen Schiff vorbereitet, damit später alles ohne Schwierigkeiten klappt. Denn es kommt kein Schiff mehr in die Werft zurück. Das ist bisher nur bei einem Schiff geschehen. Hier ging es aber nicht um eine Reparatur, sondern das Schiff wurde in der Werft noch einmal verlängert. Tief beeindruckt verließen wir die Werft und fuhren weiter zur Landgaststätte „Pünte“ in der Nähe des kleinen Örtchens Andorf, um uns wieder zu stärken. Hinter Andorf musste man über eine schmale Brücke von gerade einmal 1,8 m Breite fahren. Alle Zuckerknöllchenwagen wagten es. Nur ein Zuckerknöllchen - Jörg Spandau – hatte Angst wegen seiner breiten „Söcke“,sprich Reifen. Er fuhr weiter und nahm eine andere Brücke. Ja, wer sein Autoliebt....! Nach dieser Überfahrt mit Maßarbeit standen wir wenige Minuten später am dem Ufer der Jümme. Die hatte zwar Niedrigwasser, es war Ebbe, aber hier gab es keine Brücke, sondern die „Pünte“. So nennen die Ostfriesen diese alte handgezogene Fähre. 1562 wurde sie zum ersten Mal erwähnt und ist die älteste Wagenfähre Nordeuropas. Dieser Flussübergang war Teil eines alten Heerweges zwischen Münster und Emden. Es war der Lüdeweg, der über die begehbaren  Sandrücken führte. Eine Brücke hätte man in diesem sumpfigen Gelände kaum bauen  können. Darum gab es früher viele solcher kleinen Fähren. Mehrere Fahrten mit der Fähre mit unterschiedlich langen Wartezeiten waren notwendig, bis alle Zuckerknöllchen und deren Autos auf der rettenden Seite waren. Denn auf der anderen Seite war unser Lokal und Jürgen Mindt hatte sich schon bei der ersten Überfahrt zur anderen Seite bringen lassen und machte den Zurückgebliebenen eine lange Nase mit seinem leckeren Pils in der Hand. Aber alle Zuckerknöllchen wurden schließlich sicher ans andere Ufer gebracht und keiner ist verdurstet.
 


Am Abend gab es für alle noch einmal etwas Besonderes im Cafe „van Hese“ in Papenburg. Der Besitzer dieses Cafes, Dieter Mersch, ist Präsident des Papenburger Carnevalsvereins (Die Papenburger schreiben das mit C– die müssen das noch üben! Und dann rufen die auch noch hellau statt alaaf!).Aber was der Präsident uns über den PCV erklärte, lässt doch aufhorchen. Dieser Verein ist der einzige der Stadt Papenburg und kann eine stolze Mitglieder zahlvon etwas 1500 Personen vorweisen. Damit kann man natürlich einiges bewegen.Jede karnevalistische Aktivität in Papenburg geht von diesem Verein aus. Da hier viel Geld zusammenkommt, ist vieles möglich, beispielsweise ein Festzelt aufzustellen, welches mehr als 10.000 Besucher fasst oder sich von der Brauerei Krombacher für den Karnevalszug einen Brauereiwagen mit Pferden zu mieten. Von anderen Aktionen ganz zu schweigen.Dieter Mersch zeigte uns einige Bilder vergangener Karnevalssessionen. Zum Schluss spendierte er jedem von uns noch einen Kurzen, den wir gerne dankend annahmen und auf sein Wohl tranken. Einige von uns beschlossen den Tag hiermit zu beenden, während ein harter Kern noch bis weit nach Mitternacht das Nachtleben von Papenburg erkundete. 


Am nächsten Morgen ging es nach einem letzten Frühstück wieder Richtung Heimat. Letztes Treffen und gemeinsames Abschiednehmen war in Schwadorf in dem Gasthaus Krayer geplant. Unterwegs wurde auf der A3 noch eine kleinere Pause am Rastplatz Entenfang eingelegt, was diejenigen von uns bereuten, die zur Toilette mussten, denn dort gab es nur Dixi-Klos und deren Sauberkeit war unzumutbar. Viele waren mit Recht verärgert! Im Gasthaus Krayer trafen wir uns ein letztes Mal bei einem gemeinsamen Mittagessen, was für alle ein schöner Abschluss war. An dieser Stelle sei unserer Schatzmeisterin Ingrid Beyam ein großes Lob und Dankeschön ausgesprochen für all ihre Mühe, die diese wunderschöne und lohnenswerte Vereinstour möglich gemacht hat. 



 

 

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